Hier ist Platz für eure Gedichte und Gedanken zum Thema BAUM oder WALD. Ich freue mich auf eure Beiträge!

 

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BERICHTE VON MENSCH-BAUM-BEZIEHUNGEN AUS ALLER WELT:

 

 

 

den rücken an dich lehnen
deine flüsternden blätter horchen
das pochen meines herzens an deinem stamm,
die raue rinde spüren.

zu dir aufschauen und in deiner krone verweilen
auf deinen wurzeln sitzen
eine umarmung deiner äste
meine kinder klettern auf dich
wie du den stürmen trotzt!

überlebst mich bei weitem
den winter abgeschüttelt
und dieses satte grün
wenn vögel auf dir nisten.

ich liebe dich, baum.

 

sonja raab

 

 

 

 

 

"Ein Bild aus dem Urwaldreservat "Wilde Buche" Es zeigt einen Buchenwald, der vollkommen mit sich und der Welt im Gleichgewicht ist. Hier ruht jeglicher menschlicher Einfluss, und man kann die Kraft spüren, die von gesunden Bäumen ausgeht".

 

PETER WOHLLEBEN

Förster und Autor aus Deutschland

 

 

 

 

Herrlicher wunderbarer Zaubermistelwald

                        

25.01.1999

Eichwald – Lindau

 

 

.. märchenweisse, alte Uferbäume, überm

Wasser schemenhaft mit den zwei Türmen

das alte LINDAU

Blesshühner lagern dazwischen auf dem

ruhigen Seespiegel;

auf den flachen Steineinseln suchen Kinder;

bereits haben sie sich vorgewagt, wo es was

zu entdecken gibt; wo man als normaler Mensch

ganz bestimmt nichts findet.

Zwei Knaben Steine tragen,

schwere - mit Mützen, es ist neblig, kalt und

Krähen schreien.

Raureif rieselt

in trockenes Laubholz.

Hinter dem Piepsen der Wasserhühner auch die

kleine runde Strauchinsel, bereift zu der

jetzt friedlich

die Schwanfamilie mit den vier nur noch

leicht hellbraun gefiederten Jungschwänen

zieht.

Ein Motorrad lässt den ganzen Schwarm Blesshühner

schwarze, kurz aufgescheucht auffliegen

und sich weiter drüben setzen.

Riesige Baumgestalten

heben ihre mächtigen Äste

über mich -- voll dunklen Efeuranken --

drohen oder schützen.

der Ahorn ist an seinen gebliebenen Blättern

erkennbar; worauf die Misteln, die gelbgrünen

wohl warten? - in diesem nebligen Krähendunst.

Beeren vom Herbst - rote - halten noch ein

wenig die Stimmung; der steinige Boden

ist noch fest.

Es fehlt mir der Tritt, das Sprungbrett

in diesen zauberhaften Wald einzusteigen

Welt der Mythen, der Ungeschichten

 

(Klaus Rolser, Ulm)

 

 

 

 

 

Foto: Rita Wahrenberger (Schweiz)

 

 

 

 

 

Trauerlied der Eiche                    

1989

 

Ich heisse 'EICHE'

nun muss ich weichen

Hundert Jahre gab man mir

jetzt holt mich der Zerophyr

in sein Feuerreiche.

 

Wart ich vergebens

auf den Sinn des Lebens

Zerhackt und zerstoßen

Land ich im Feuerofen

weiß ich's denn für wen   ?

 

Ohne Gefahren

strotzt ich manchen Jahren

voll vom Eichenlaube

ward ich für die Taube

ein Friedensborn

 

Dem Quell der Erde nun entrissen

gar mancher wollte von mir wissen

welches Jahr mir war zum Dorn

und wie viel ich hab mitgetragen

nur Ahnung war's ----- verloren !

 

Mein Mark war bein- und eisenhart,

stark sein wollt ich nach der Art

und Jahr um Jahr noch stärker sein

und prächtiger im Wuchs gedeihn

war ganz vernarrt.

 

Mein Wollen ist gebrochen

Zersägt, zerstückt mein ganzes Tun

Der Halt, mein Stolz dahin gekrochen

Gerade nur noch Holz und Span

und Kohle, alsbald Asche nun.

 

(Klaus Rolser, Ulm)  

 

 

 

 

 

Baumliebe

Mein Kopf ist schwer

mein Körper ohne Kraft

meine Augen sehen nur Finsternis

mein Herz ist verstummt

meine Seele, sie schreit

da spüre ich ihn

diesen Drang

der mich hinaustreibt

der mich nicht länger ausharren lässt

ich laufe hinaus

ziellos zunächst

habe Tränen in den Augen

Wut und Zorn in meinem Herzen.

Da sehe ich DICH

und bleibe stehen

ich schaue dich nur an

lange stehe ich nur so da

ich trete heran

zögerlich zunächst

berühre sanft deine Haut

betrachte jedes Detail

ich drücke meine Wange an deinen Stamm

da spüre ich es

du willst mir etwas geben

da höre ich es

du willst mir etwas sagen

ich breite meine Arme aus

umfange deinen Körper

schließe meine Augen

du nimmst mich auf

vorbehaltlos

umfängst mich mit deiner Kraft

mein Kopf wird leicht und klar

mein Körper wird lebendig

mein Herz beginnt wieder zu sprechen

unsere Seelen werden eins

ich höre deine sanfte Stimme

wie sie raunt, wie sie flüstert

ich öffne meine Augen

strecke dir vertrauensvoll mein Gesicht entgegen

du schaust mich liebevoll an

ich empfange deinen Kuss

deine Liebe durchströmt mein ganzes Sein
dein Licht erhellt mein Schattenreich

dann lasse ich dich los

verneige mich in Dankbarkeit

 

Du lässt mich gehen

die Verbundenheit, sie bleibt.

 

(Foto und Text: Monika Schoisl- Österreich)

 

 

 

 

 

Die Birke

 

Schon immer fasziniert mich dieser Baum

Kühl und glatt
Licht seine Rinde
Seine Haut leuchtet von Weitem.
Lichtgestalt.

 

Biegsam im Wind
Beugen lässt er zu.
Lässt sich nicht brechen

Bietet keinen Widerstand
Weder im Blatt noch in den Ästen.

 

Durchscheinend
die Blätter im Sonnenlicht.
Sie brechen hervor .

 

Hoch hinaus strebt sie
Dem Himmel nahe,
beide Welten verbindend.

 

 

(Hildegard- Oberösterreich)

 

 

 

 

 

Winterwald

Die Sonne ging zur Neige

und durch die Lichtung floss

ein blasser, schwacher Strom

von Strahlen über Zweige.


Zephir kam und blies sachte

vom Firmament ein Heer

das sich in zarten Schleiern

durch den Lärchenwald machte.

 

Mein Herz wär fast erlegen

dem Zauber dieser Stund,

hätt‘ geglaubt Dryaden

tanzen auf diesen Wegen.

 

(Valeria Barouch- Schweiz)



 

 

 

 

 

Eisiges Lager
Wolldecke in den Schlafsack
und deine Küsse

 

(copyright: Birgit Heid- Deutschland)

 

 

 

 

 

Der Baum sammelt sich in sich während der kalten Jahreszeit.
Er ruht in sich und weiß ganz genau, was er im Frühjahr werden will.
Er treibt seine Blätter aus, kleidet sich in schönstes Grün, bietet Schutz und Schatten.
Erstrahlt in vollster Pracht und wenn die Zeit reif ist, dann färbt er mit aller Kraft seine Blätter bunt und lässt los, was ihm in kleinster Weise dient.
Weil er wieder in die Stille seiner selbst geht. 
Damit er sein kann, was er wirklich will.
Er selbst!
(Joe White Wolf- Wien)

 

 

 

 

 

Der Wald beiderseits einer Schlucht, eines Wassers hat seinen eigenen Aufbau, seine eigene Struktur. Während auf den Hangkronen oft trockenheitsliebende Arten wie Föhren wachsen, sind die Bäume je näher am Wasser um so schnellwüchsiger, feuchtigkeitsliebender. Die Wurzeln krallen sich um das Gestein, und jene, die direkt am Ufer stehen, neigen ihre Kronen über den Wasserlauf und beschatten diesen.
Hier ist gut ruhen, hier ist gut sein, hier .... IST MAN!

 

(Norbert Steinwendner)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mir träumte, ich säße in einem Herbstwald, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt. Leise knisternd fielen die Blätter von den Bäumen, um mit sanftem Prasseln am Boden aufzuprallen und sich raschelnd zwischen die bereits herabgefallenen Blätter zu legen. Ansonsten herrscht Stille ...

Da wird tief unter mir ein lautes knackendes Geräusch hörbar, wie mächtige Schritte tönt es durch den Wald, dessen hallendes Echo den sich nähernden Lärm beängstigend werden läßt ...

Große mächtige Wurzelbeine stapfen langsam und dröhnend den Hang empor, schieben das Laub in großen Haufen zur Seite. Hölzern knarrend bewegen sie sich immer abwechselnd vorwärtsschreitend aufwärts. Aus ihrer Mitte wächst ein graubeschuppter Stamm, der senkrecht in die Höhe ragt, und der von ihnen bergwärts getragen wird ...

... ich werde wach ...

 

(Norbert Steinwendner)

 

 

 

 

 

Hilflos verfangen im Nebel
stirbt die Angst einen zärtlichen Tod
aufgelöst im Nichts
zu neuem Leben erwacht
als wär nie was geschehn

 

(Brigitte Binder)

 

 

 

 

 

 

heimweg
in mir wachsen
jahresringe

 

(Ralf Bröker)

 

 

 

 

 

 

 

was hast du gesehen baum?

wie lange steht du schon hier?
2oo jahre?
oder länger?
wieviele kinder haben sich hinter dir versteckt?
und wieviele wanderer haben sich in deinem schatten ausgeruht?
wievielen traurigen menschen
hast du deine äste zur umarmung angeboten?
wievielen schutzsuchenden
hast du dein blätterdach geborgt?
wievielen hungrigen hast du früchte angeboten?
und wieviele haben dich zärtlich berührt,
deine rinde gedankenverloren mit den fingerkuppen betastet und
an deinem harz geschnuppert?
wieviele vögel haben sich auf dir niedergelassen
und wieviele eichhörnchen sind auf dir herumgehüpft?
wieviele stürme hast du überstanden?
und die trockenen sommer,
an denen du verzweifelt deine wurzeln fester in den boden gekrallt hast
um an ewtas wasser zu kommen?
wie hast du sie überstanden?
wie fühltest du dich in kalten wintern?
und was ging in dir vor, als sie
plötzlich die strasse ganz nah neben dir asphaltierten?
hattest du angst, wenn die autos so knapp an dir vorüber fuhren?
und als der wagen gegen dich krachte?
hattest du große schmerzen?
hast du gefühlt,
daß die menschen sich dann plötzlich gegen dich verschworen?
hast du gewußt, daß sie ihre sägen holen?
hast du geschrien, als sie in dich schnitten?
warum haben sie dich nicht gehört?
warum hast du dort gestört?
armer baum.

 

sonja raab