Ich war gestern auf einem Berg unterwegs und auf dem Weg durch den Wald hatte ich so viele schöne Erlebnisse gehabt. Es gab noch Brombeeren am Strauch - rote und schwarze. Der Strauch führte selbst noch eine Blüte. Ein alter Baum lud mich zu einer Meditation ein und dann bemerkte ich die Gier der Menschen!
Gesunde Bäume wurden fast im Fünf-Minuten-Takt gefällt!
Es hörte sich erschreckend an. Das knarrende Geräusch, wenn der Bruder Baum seinen Halt in dieser Wesensform verliert und er mit einem lauten Knacken kurz darauf dumpf auf dem Waldboden aufschlägt!
Der alte Baum versicherte mir, dass sich nicht alle Bäume für uns Menschen zur Verfügung stellen. Es ist eine wohlklingende Entschuldigung, die sich die Menschheit zurecht gelegt hat, um die weitere Abholzung zu rechtfertigen.
Benötigt ihr denn wahrhaft so viel Papier, wenn ihr die meisten Nachrichten elektronisch übermittelt?
Benötigt ihr denn so viel Kosmetik, die ihr Euch danach wieder mühevoll mit Watte aus dem Gesicht reibt?
Benötigt ihr tatsächlich noch so viel Brennholz, während der meiste Strom aus Atomkraft gezogen wird?
Benötigt ihr immer mehr Holz für den Möbelbau, während die Kästen immer fragiler gebaut sind und immer rascher wieder entsorgt werden?
Benötigt ihr immer mehr "frisches" Holz, während ihr das, was wir Euch geben, in den Wäldern vermodert?

Sehr traurig, habe ich mich von dem Baum verabschiedet und hab ihn dabei lange umarmt! Ich bat ihn um Verzeihung, für das, was seinen Brüdern angetan wird.

Und dennoch klang es wie ein Hohn durch den Wald. Sehr lange ....

 

Joe White Wolf (Wien)

 

 

 

 

Im letzten Jahr sind wir noch in diesen wunderbaren Baum hineingekrochen. Wir haben mit ihm geredet und ihn gestreichelt, jeder freute sich wenn man vom Wasserfallweg in Göstling oben raus kam und dann runter schaute zum Bauernhof und diesen prächtigen Baum sah.
Gestern war meine Tochter dort und der Baum war weg.
Lieber Baum, ich werd dich nicht vergessen. Du bist was ganz Besonderes gewesen mit deinem Eingang in die Anderswelt....

Und ich werde deinen Besitzer nicht fragen, warum er das getan hat, denn egal welche Antowrt er mir geben wird, ich werde mich darüber ärgern.



wurde frei geboren
doch darf mich nicht bewegen
und wenn
dann nur ganz still und verhalten
verbotsschilder
säumen den lebensweg
stapfe durch den wald
beschimpfungen
ich vertreibe
das wild
und überhaupt
was hab ich da verloren
im wald
so ganz allein
oder am ende noch
mit einem hund
gefälligst nach hause
soll ich gehn
da bleiben
wo die wege
asphaltiert sind
für uns menschen
da wo wir hin gehören

Wir klagen an !

Mensch, Du nennst uns Wald? Wald lebt doch, aber hier wird gestorben!

Wald ist doch Vieles, bunt durcheinander, alles an seinem oder einem Platz - aber hier ist nur ein Holz, eine Art, und kein Platz für Anderes!

Unsere Äste sind tot, der Boden fast leblos, was hier noch die Sonne trifft, stirbt erst recht ...

Unsere Stämme sind Stangen, die eilig nach oben streben .... müssen .... denn sonst sterben auch sie, so ganz ohne Licht! Schlank und hoch, ohne Leben, kaum Zeit, eilig die Wurzeln zu bilden, denn das Wachsen ist wichtiger, lebenswichtiger, überlebenswichtiger ...

Wenn der Sturm kommt, bricht er unsere obersten Äste zuerst, sie fallen noch grün zu Boden - werden braun ... und sterben auch ...

Wenn der Sturm kommt, und keine Äste sind mehr da ihn zu bremsen, dann fällt er uns als Ganzes, denn die Wurzeln sind schwach - zu sehr haben wir uns aufs Wachsen konzentrieren müssen ...

Und dann geht ein unheimliches Knistern von Baum zu Baum ... Löcher werden in unsere Rinde gebohrt von winzigen Käfern, deren Erste wir mit Harz zu ersticken versuchen. Aber viel zu wenig Kraft haben wir Todgeweihten, es kitzelt kurz unter der Rinde, die Borke blättert ab, schutzlos stehen wir in der Sonne, und der heiße Tod greift endlich auch nach uns ...

Jetzt nennt man uns "Schadholz", und unsere hölzernen Leichen werden unter der Musik von Motorsägen ins Tal gekarrt ...

 

(Norbert Steinwendner)

 

 

 

 

 

 

sieh hin ganz genau
und spür meinen schmerz
warum hast du mir das angetan
hast du kein fühlendes herz

 

(Brigitte Binder)